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Das Kuratorinnenkollektiv What, How & for Whom wird die Kunsthalle Wien leiten

Schon der Name macht sich gut für eine städtische Kunsthalle: „What, How and for Whom“ sind zentrale Fragen, wenn es darum geht, Elitarismus und Exklusion zu verhindern und einen breiten Zugang zu künstlerischen Produktionen zu etablieren.

Natürlich liegt die Wahl von Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović im Trend der Zeit, wie schon die Bestellung von Ruangrupa zur documenta-Leitung gezeigt hat (--> das artmagazine berichtete).

Allerdings hatte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler nach dem Rücktritt von Nicolaus Schafhausen angekündigt, einen grundsätzlichen Nachdenkprozess über die Rolle der Kunsthalle Wien führen zu wollen. Dies war auch in den Ausschreibungskriterien klar dargelegt, in der die Kunsthalle als Ort der Produktion beschrieben und ein intensiver Austausch mit der Lokalen Kunstszene gefordert wurde.

Diese Anforderungen erfüllt What, How & for Whom / WHW (in Kroatisch übrigens Što, Kako i za Koga?) in idealtypischer Weise. Das Kuratorinnenkollektiv, das 1999 gegründet wurde, hat in zahlreichen internationalen Projekten und in der Galerija Nova in Zagreb, die sie seit 15 Jahren leiten, klar politisch Stellung bezogen, die (lokale) Geschichte und urbane Entwicklungen thematisiert, sowie künstlerische Produktionen initiiert. Zuletzt haben sie im Jahr 2018 die „WHW Akademija Zagreb“ ins Leben gerufen, ein Studienprogramm, das jungen Künstler*innen die Möglichkeit der Produktion und des Austauschs zwischen unterschiedlichen Disziplinen geben soll.

Die Anbindungen des Kollektivs zu Österreich und Wien sind übrigens vielfältig. Ihre erste gemeinsam konzipierte Ausstellung zum 152. Jahrestag des Kommunistischen Manifests (2000) wurde im Jahr 2001 in der Kunsthalle Exnergasse gezeigt. Sie haben mit österreichischen Künstler*innen wie z.B. Josef Dabernig, Oliver Ressler, Ashley Hans Scheirl und VALIE EXPORT gearbeitet, die WHW Akademija Zagreb und das an mehreren Orten gezeigte Ausstellungsprojekt „My Sweet Little Lamb“ wurden von Kontakt, der Sammlung der Kunstsammlung der Erste Group und ERSTE Stiftung unterstützt, und sie haben u.a. Ausstellungen für den Kunstraum Lakeside in Klagenfurt sowie das Forum Stadtpark und den Steirischen Herbst in Graz kuratiert.
Auch wenn im Rahmen der Präsentation von WHW als neue Leitung für die Kunsthalle Wien noch nicht allzu viel über das zukünftige Programm zu erfahren war, scheinen die Leitlinien klar: Die drei Kuratorinnen haben ein deutliches Statement für die Einbindung der lokalen Kunstszene und insbesondere der Unterstützung künstlerischer Produktion abgegeben. Die Anhebung der (für eine Stadt Wie Wien) nicht allzu hohen Besucherzahlen, ist ein wichtiges Anliegen, wird allerdings auch von der Kulturstadträtin nicht als das alleinige Maß für den Erfolg der Kunsthalle gesehen. Die aktuelle politische Situation in Österreich wird aus der Geschichte von What, How & for Whom heraus das zentrale Thema der Auseinandersetzung sein, was auch der städtischen Politik angesichts der bevorstehenden Landtagswahl 2020 die Chance auf eine klarere (linke) Positionierung eröffnet.
Die eigentliche Arbeit vor Ort werden Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović im Juni beginnen. Ana Dević, das vierte Mitglied des Kollektivs, wird in Zagreb die Galerija Nova weiterführen.
Und auch das Finanzielle wurde im Rahmen der Präsentation besprochen. Das in der Ausschreibung genannte Bruttogehalt von 120.000 Euro pro Jahr muss sich das Kollektiv nicht teilen. Die Kulturstadträtin wollte keine Details nennen, aber man habe eine Lösung gefunden, die das Ausstellungsbudget der Kunsthalle Wien nicht schmälert und den drei Leiterinnen trotzdem ein angemessenes Gehalt garantiert. Für das Kollektiv steht ohnehin nicht das Geld, sondern die Kunst im Vordergrund ihrer zukünftigen Arbeit in und für Wien.

www.kunsthallewien.at

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Abbildung: v.l.n.r.: Sabina Sabolović, Ivet Ćurlin und Nataša Ilić

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