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Otobong Nkanga - There's No Such Thing as Solid Ground: The salt of the earth

Immer mehr KünstlerInnen der letzten, zunächst so geschmähten documenta 14 stellen inzwischen erfolgreich im weltweiten Kunstbetrieb aus. So jetzt z. B. im Berliner Gropius Bau die in Nigeria geborene Otobong Nkanga, die da letztes Jahr bereits als „Artist in Residence“ gearbeitet hat. Im „Daybook“ der documenta 14 schrieb Yvette Mutumba über die Künstlerin treffend: „Otobong Nkanga hat es sich zum Ziel gesetzt, die komplexen Schichten der von Natur und Menschen hinterlassenen Spuren zu durchdringen. Sie setzt sich mit unterschiedlichen Vorstellungen von Land, Heimat und Vertreibung auseinander“. Themen wie diese sind jetzt auch Otobong Nkangas Ausstellung „There‘s no such thing as solid ground“ eingeschrieben.

Da ist z. B. die Installation „Contained Measures of Shifting States – Evaporate“, 2012, zu sehen: Aus einem randvollem Wasserbehälter tropft langsam aber sicher, und zwar immer dann wenn der Behälter zu voll wird, Wasser auf eine heiße Platte, so dass der Tropfen augenblicklich zischend verdampft. Diese so poetische wie an Wissenschaft erinnernde Inszenierung mag als einfache physikalische Versuchsanordnung verstanden werden – oder aber als mehr oder weniger komplexes Bild für einen Zustand der Welt, in dem Überfluss, verschwenderischer Umgang mit Ressourcen und Erhitzung desaströse Folgen haben.

Vergleichsweise explizit politischer Natur kommt dann die Soundinstallation „Wetin You go do? Oya Na“ (Was wirst du tun?), 2015/20 daher, die zu hören ist im sensibel verdunkelten letzten Saal der Ausstellung, in dem nichts als rote Sitzwürfel stehen. Die Künstlerin spricht, singt, flüstert und brüllt in dieser 20 Minuten langen Arbeit selbst Aussagen verschiedener Charaktere, die, so unterschiedlich sie auch sind, zumindest dieses gemeinsam haben: das ohnmächtige Gefühl der Notwendigkeit sich der gegenwärtigen politischen Situation widersetzen zu müssen.

Last but not least sei kurz die für die Ausstellung zentrale Skulptur „Solid Maneuvers“, 2015, beschrieben: Schon auf dem ersten Blick lässt die Arbeit an ein topographisches Modell denken. In drei gestapelten Schichtmodulen wird hier nämlich die Topographie der Ausbeutung von Terrain beschrieben, in dem (Roh)Stoffe wie Metalle, Erdöl oder z. B. Salz vorkommen und die dann rücksichtslos verwertet werden. Durchlöchert sind die einzelnen Module und künden so trotz ihrer vordergründigen Schönheit von eben der verheerenden Leere und Verletzung, die die kapitalistische, nur auf schnöden Profit bedachte und jedwede ökologische Vernunft vergessende Logik in „unserer“ Erde stets noch hinterlassen hat. Neben „Solid Maneuvers“ hängt dann ein Monitor auf dem ein Video läuft, das die Künstlerin bei einer Performance inmitten der Skulptur zeigt – dabei dreht sie sich gleichsam „tänzerisch-anthropozentrisch“ um ihre eigene Achse.

Otobong Nkanga: Solid Maneuvers from Gropius Bau on Vimeo.

Auch wenn viele der hier gezeigten Arbeiten bereits in anderen wichtigen Ausstellungen zu sehen waren – ein Besuch lohnt sich!

Otobong Nkanga - There's No Such Thing as Solid Ground
10.07 - 13.12.2020

Martin-Gropius-Bau
10963 Berlin, Niederkirchnerstr. 7
Tel: +49 30 25486-0, Fax: +49 30 25486-107
Email: post@gropiusbau.de
http://www.gropiusbau.de
Öffnungszeiten: Mi-Mo 10-20 h


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