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TEFAF: Die Königin ist zurück

Die Tefaf in Maastricht lockt in diesem Jahr mit Sommerwetter. Nach über zwei Jahren kann die Königin der Kunstmessen endlich wieder am Stammsitz stattfinden und den kleinen örtlichen Flughafen wieder mit zahlreich eingeflogenen Privatjets überfordern. Zur Erinnerung: Im März 2020 musste die Messe nach einigen Tagen abgebrochen werden, weil einige Händler und Besucher erkrankt waren. Damals brach der lange Corona-Winter der Kunstwelt an.

Jetzt ist die alte Pracht zurückgekehrt und mit ihr das oft sehr offensichtlich sehr wohlhabende Vernissage-Publikum. Das Angebot an Highlights in den Bereichen Alte Meister, Antiquitäten und Antiken sucht wie immer seinesgleichen. Verstärkt wird die Riege der renommierten Aussteller durch Erstteilnehmer wie Boghossian (Genf, London, Hongkong etc.), David Aaron (London), Marcilhac (Paris) oder Sisman (Paris). Sogar Benjamin Steinitz, der Pariser Antiquitäten-Papst, hat sich zu einer fulminanten Präsentation entschlossen, nachdem er zuletzt vor einem Vierteljahrhundert mit seinem Vater hier war.

Jedoch sind nicht alle Händler glücklich. Zwar gibt es auch von den Kritikern kaum gangbare Vorschläge, wie die Tefaf in diesem Jahr hätte sonst stattfinden können, die Kollision mit Basel, Brüssel und London empfinden sie jedoch als extrem unglücklich. Ein Händler sagt: "Wenn wir nicht verkaufen, dann essen wir nicht.“ So schlimm wird es nicht kommen, aber ein Einbruch bei den Besucherzahlen und den Verkäufen dürfte angesichts der Kosten der Tefaf vielen weh tun, zumal sie zwei harte Jahre hinter sich haben.

Besonders herausfordernd ist für einige Aussteller die Logistik, da sie zwischen Teilnahmen an der Art Basel, der Tefaf, der Brafa in Brüssel oder der Masterpiece London jonglieren müssen. Die Londoner Mayor Gallery kommt direkt aus Basel, zeigt hier aber eine Sonderschau mit kinetischer Kunst und hat komplett andere Ware dabei als in Basel. Hier trifft mit Inhaber John Austin laut eigener Aussage auch ganz andere Kunden als in Basel. Dort sein die Sammler eher an zeitgenössischer Kunst interessiert als an Moderne. Sein Fachgebiet liegt an der Schnittstelle zwischen Nachkriegskunst und zeitgenössischer Kunst, daher habe er in Basel gut verkauft, seiner Beobachtung nach aber mehr große Arbeiten als viele kleine.

Der Terminstress wird auch im Teilnehmerfeld deutlich: statt 280 nehmen in diesem Jahr nur rund 240 Galerien teil, die meisten Ausfälle haben die Nachkriegskunst und zeitgenössische Kunst zu verkraften. Der Messe tut das hingegen gut – die immer größer werdende Abteilung drohte ein wenig die Identität der Messe zu verwischen. Als kurzfristige Absagen fallen auf: Heribert Tenschert ist nicht dabei, obwohl er im Online-Hallenplan noch verzeichnet ist, und der italienische Rahmenhändler Eduardo Ceci muss so knapp abgesagt haben, dass sein Stand jetzt vom „Scientific Research Team“ belegt wird.

Ein bisschen sehr dekorativ und auch nicht besonders avantgardistisch wird es dann nach hinten links bei der Malerei des 19 und 20 Jahrhunderts. Zum Glück sind in diesem Bereich die sechs Neuzugänge in ihren winzigen „Showcases“ untergebracht sowie die größtenteils überzeugende Sektion „Art on Paper“. Überhaupt hat die Messe an einigen Stellen Mühe, dem eigenen Anspruch der musealen Qualität gerecht zu werden. In Richtung Zeitgenossenschaft kommt ihre Jury mit den aus den angestammten Sparten entwickelten Kriterien nicht unbedingt weiter. Andererseits trifft sie aufgrund dieser Grundlage bisweilen wenig nachvollziehbare Entscheidungen bei tatsächlich musealen Objekten. Es wird immer deutlicher, dass das Vetting genannte Beurteilungsverfahren einer Reform bedarf.

TEFAF
25 - 30.06.2022

MECC (Maastricht Exhibition & Congress Centre)
6229 Maastricht, MECC (Maastricht Exhibition & Congress Centre), Forum 100
Tel: +31 43 383 86 66 , Fax: +31 43 383 88 08
Email: info@tefaf.com
http://www.tefaf.com
Öffnungszeiten: täglich 11-19 h


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